Stacks Image 24

Thema: Was ist Ethik? (1. Teil)

ZUSAMMENFASSUNG (Impulsvortrag Brigitte Geretschläger):

Aristoteles hatte die Nikomachische Ethik begründet, mit der Prämisse wie man ein guter Mensch wird und wie man ein glückliches Leben führt. Alles Wählen und Handeln strebt nach einem Gut. Zweck des Lebens ist die Erlangung der Glückseligkeit - Eudämonie. Der Mensch wird alles unternehmen um ein glückliches Leben zu führen. Die Glückseligkeit als höchstes Gut ist ein seelisches Gut, steht daher alleine und ist nicht Mittel zum Zweck. Hier liegt auch schon die Kritik: Bei der Frage nach dem Wesen der Glückseligkeit gehen die Meinungen weit auseinander, und die große Masse urteilt darüber ganz anders als die höher Gebildeten. Die einen denken bei Glückseligkeit an Weltlichen, wie Vergnügen, Reichtum oder hohe Stellung, andere an Spiritualität; zuweilen wechselt auch die Ansicht darüber bei ein und demselben. Ist einer krank, so sieht er die Gesundheit, leidet er Not, den Reichtum als höchstes Gut.

Ethik hat mehrere Sichtweisen:
„Sittlich richtig handeln bedeutet nach der Tugendethik tugendhaft, nach der deontologischen Ethik aus Pflicht (zb. Kant) und nach der teleologischen Ethik mit dem bestmöglichen Nutzen (Utilitarismus, Konsequentialismus) handeln.“

Immanuel Kant (1724 – 1804) unterscheidet den Menschen in Materie (wie ein Tier) und Seele. Er stellt drei Grunds
tze zur Moralphilosophie auf.
Der erste Grundsatz besagt, dass jedes moralische Gesetz absolut notwendig sein muss. Der zweite Grundsatz, dass moralische Gesetze aus der reinen Vernunft entstehen. Diese reine Vernunft untersucht was ist und formuliert diese Gesetze. Die Folge und der dritte Grundsatz die Kant daraus zieht sind, dass jede Vorschrift, die aus Erfahrungen entstanden ist, kein moralisches Gesetz sein kann.
Zum Unterschied von Tieren, die von Trieben geleitet sind, hat der Mensch noch Maximen. Das sind Handlungsregeln, die sich der Mensch selbst setzen kann. Maximen sind begr
ndet in der Vernunft und deshalb haben die Tiere sie auch nicht.
Nach Kant strebt alles dem guten Willen zu. Dieser gute Wille ist ein unbedingtes Gut, das einzige welches absolut und ohne jede Einschr
nkung gut ist. Hier kritisiert er die aristotelische Ethik indem er sagt, dass Aristoteles keine Kardinaltugenden (verständig, gerecht, fromm und tapfer) hat, die uneingeschrnkt als gut gelten knnen. Lediglich der gute Wille ist als Voraussetzung sei nicht ausreichend.

Der kategorische Imperativ
Kant hat zur Grundlegung seiner Ethik auch eine Regel formuliert, die den Menschen eine M
glichkeit zur Entscheidung geben soll, ob eine bestimmte Handlung moralisch gut oder schlecht ist. Dafr hat er den kategorischen Imperativ vorgesehen: „Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde.“ (Immanuel Kant) Diese Grundformel des kategorischen Imperativs leitet sich aus zwei Unterformeln her. Die erste ist die Formel des Naturgesetzes. Diese Formel zeigt die Unbedingtheit und absolute Notwendigkeit der Grundformel. Sie bezieht den kategorischen Imperativ auf die gesamte Menschheit, sodass niemand ausgelassen wird. Die Formel des Naturgesetzes lautet: „Handle so, als ob die Maxime deiner Handlung durch deinen Willen zum allgemeinen Naturgesetz werden solle.“ (Immanuel Kant)
Der zweite Teil ist die Formel des Zweckes an sich selbst. Sie beschreibt wie eine Handlung ausgef
hrt werden soll. Sie ist ein wenig kompliziert in der Handhabung und bedeutet etwa so viel, dass du immer etwas fr den Menschen erreichen sollst den du mit deiner Handlung beeinflusst. Die Formel des Zweckes an sich selbst lautet: „Handle so, dass du die Menschheit, sowohl in deiner Person, als in der Person eines jeden andern, jederzeit zugleich als Zweck, niemals bloß als Mittel brauchst.“ (Immanuel Kant)

Handlungsanleitung des kategorischen Imperativs
1. Beschreiben des Dilemmas (Hunger aber kein Geld, also stehlen)
2. Zweckrationale Maxime bilden (immer stehlen wenn kein Geld)
3. Überprüfung einer Verallgemeinerung (was ist wenn das alle machen würden)
4. Denkbar oder undenkbar (nicht denkbar)
5. Fazit für die Anwendung (nicht stehlen)

Immanuel Kant schreibt den Menschen eine W
rde zu. Diese Wrde hat fr ihn keinen preislichen Wert, sondern ist sozusagen unbezahlbar und hat ihren Wert an sich selbst. Begrndet wird dies darber, dass jedem Gegenstand auf der Welt ein quivalent gesetzt werden kann. So kann ein Apfel einen bestimmten Geldbetrag wert sein. Dem Menschen kann allerdings kein quivalent gesetzt werden, dass seinen Preis angeben wrde. Da der Mensch keinen Marktpreis hat, hat er also eine unantastbare Wrde.

Dalai Lama schrieb letztes Jahr einen Appell an die Welt: Ethik ist wichtiger als Religion. Er meint, wir kommen nicht als Mitglied einer bestimmten Religion auf die Welt, aber die Ethik ist uns angeboren. Er skizziert Werte, die allen Menschen angeboren sind wie Achtsamkeit, Mitgefühl, Geistesschulung sowie das Streben nach Glück. Dalai Lama behauptet, dass alle heiligen Schriften Gewaltpotential in sich bergen. Dabei ist das Bewusstsein des Gemeinsamen wichtiger als das ständige Hervorheben der Religionsunterschiede. Wesentlicher als Religion ist unsere elementare menschliche Spiritualität. Die ist eine in uns angelegte Neigung zur Liebe, Güte und Zuneigung. Dieses gemeinsame ethische Fundament ist in der menschlichen Natur verankert. Die wichtigste Frage ist: Wie können wir einander dienen?

Mahatma Ghandhi sagte: wir müssen selbst die Veränderung sein, die wir in der Welt zu sehen wünschen.

Unterschied Moral und Ethik
Unter Moral versteht man ein Normensystem (Prinzipien, Werte), dessen Gegenstand das richtige Handeln von vernunftbegabten Lebewesen (zum Unterschied von Tieren) ist und für sich das Anrecht auf Allgemeingültigkeit erhebt. Dementsprechend heißt moralisch soviel wie sittlich oder sittlich gut.

Ethik ist die wissenschaftliche Beschäftigung mit der Moral. Sie steht somit eine Reflexionsstufe über der Moral. Moralische Ansichten sind ethische Themen und moralische Auffassungen werden mit ethischen Instrumentarien untersucht.

Die Moral liegt auf der Normebene und die Ethik auf der kritischen Reflexionsebene.

Was ist Ethik heute?
Ethik ist ein Teilgebiet der Philosophie und befasst sich mit Moral, insbesondere hinsichtlich ihrer Begründbarkeit. Ethik bezeichnet man als „praktische Philosophie“, da sie sich mit dem menschlichen Handeln befasst und Kriterien für gutes und schlechtes Handeln, sowie die Bewertung der Motive und Folgen aufzustellen. Ziel der Ethik ist die Erarbeitung von allgemeingültigen Normen und Werten. Ethischen Fragen können sein: Wie viel Selbstbestimmung ist dementen Personen zuzubilligen? Ein weiterer Themenkomplex ist das Spannungsfeld zwischen Menschlichkeit und Wirtschaftlichkeit. Auch der Umgang mit Leben und Tod und einem damit verbundenen würdevollen Sterben ist ein Thema des Ethikbeirats.

KOMMENTARE:
Stacks Image 177669
Es liegen noch keine Kommentare vor.