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Thema: Wie wirklich ist die Wirklichkeit? (1. Teil)

KURZE ZUSAMMENFASSUNG (Impulsvortrag von Prof. Dr. Helmut Neunzert):

Das Thema findet sich auch häufig in der Literatur, z.B. bei Paul Watzlawik (2005) und bei Heinz von Förster und Bernhard Pörksen („Wahrheit ist die Erfindung eines Lügners“) in 2016.
Die Frage, ob das, was wir durch unsere Sinneswahrnehmungen als Wirklichkeit verstehen, auch einer objektiven Wirklichkeit „draußen“, außerhalb unseres Gehirns, entspricht, hat eine lange Geschichte, von Platon bis zu den oben genannten modernen Denkern.

Die Impulse, die im Gehirn ankommen, sind relativ ungeordnet; unser Gehirn muss sie ordnen. Es benutzt dabei gewisse Ordnungsmuster. Ob diese in allen Menschen „fest verdrahtet“ oder jeweils neu geschaffen werden, wird unterschiedlich gesehen. Sicher ist, dass diese Ordnungen das Bild der Welt, wie wir sie sehen, festlegen: „Wir machen die Welt in unseren Köpfen“.

Im Referat wurde kurz auf die Vorstellungen eingegangen,
• die Platon dazu im Theätet entwickelt hat,
• die Kant in seinem Hauptwerk „Kritik der reinen Vernunft“ beschrieben hat,
• die Maturana und Varela in ihrem „Baum der Erkenntnis“ ausführlich diskutiert haben.

Die Frage, wieviel „Autopoiesis“ (=Selbstschöpfung bei Maturana/Varela) in diese Weltbilder eingehen bzw. welche Ordnungsmuster a priori in allen Menschen festgelegt sind, wird dabei sehr unterschiedlich behandelt. Wenn jeder Mensch sich ein anderes Weltbild schafft, ist es schwer zu verstehen, wie Verständigung zwischen den Menschen und die Orientierung in der äusseren Wirklichkeit klappen. Maturana/Varela führen dies auf die strukturelle Kopplung zurück, die sie sehr ausführlich beschreiben. Bei Platon ist natürlich ein reales Reich der Ideen a priori gegeben, bei Kant sind es die Kategorien, die unser Denken strukturieren.

Der Referent glaubt: Etwas ist bei allen Menschen gleich, sonst wären Naturwissenschaften nur schwer möglich. Wie Maturana/Varela ihre eigene biologische Theorie aus struktureller Kopplung entstehen lassen wollen, ist schwer vorstellbar. Aber klar ist auch: Jeder muss sich klar sein, dass „sein“ Weltbild nicht richtiger oder besser ist als das der anderen.

Thema: Wie wirklich ist die Wirklichkeit? (2. Teil)

ZUSAMMENFASSUNG (Impulsvortrag von Berndt Schramm):

Es geht in meinem Vortrag um einen von mir entwickelten, alternativen Ansatz, der vor allem auch die Erkenntnisse und Theorien der Qunatenphysik berücksichtigt.

Aus Zeitgründen wird es mir verständlicherweise nicht möglich sein, auf alle fachlichen Details der kleinen und großen Zusammenhänge einzugehen. Im wesentlichen geht es mir einfach nur darum, die Theorie, dass Information der Urstoff des Universums ist, zu beschreiben und mit den aus meiner Sicht wichtigsten Argumenten zu unterlegen.

Es steht außer Frage, dass die Wissenschaften das Weltbild der Menschen beeinflussen, formen und nachhaltig prägen. Im Prinzip wirken unsere Weltbilder wie eine Software, die unser Betriebssystem steuert.

Zu den befremdlichen Einsichten der letzten Jahrzehnte gehört die Feststellung, dass das Thema Information noch nicht dort angekommen und eingeführt ist, wo es unbedingt hingehört – in das Innerste der Welt und damit in die grundlegende Physik. Nicht zuletzt haben die beiden großen Umwälzungen in der Physik, nämlich die Relativitätstheorie + die Quantenmechanik mit der Information zu tun. Albert Einstein nutzte 1905 das damals beste Pendant der Information - die Entropie -, um eine neue Theorie des Lichts auf die Beine zu stellen. Und in der Quantenmechanik zeigte sich, dass Objekte erst dann bestimmt werden können, wenn Informationen mit ihnen ausgetauscht werden - Information ist das, was Informationen und damit auch das Geistige erzeugt.

ZITATE:

  • Atome wissen und behalten. Wolfgang Ernst Pauli, Nobelpreisträger/Physik

  • Die Quantentheorie beweist die Existenz eines universellen Bewusstseins im Kosmos. Eugene Paul Wigner, Nobelpreis-träger/Physik

  • Es sieht immer mehr so aus, als ob das ganze Universum nichts anderes ist als ein einziger grandioser Gedanke. Albert Einstein, Nobelpreisträger/Physik

  • Information ist das, was Energien auslösen kann. Thomas Görnitz, Johann Wolfgang Goethe-Universität, Ffm.

  • Ich glaube, die Evolution geht in Richtung des Geistes. Pierre Teilhard de Chardin, Philosoph, Anthropologe

Was Information ist, würde ich folgendermaßen beschreiben:
  • Jede Information ist das Ergebnis einer Zustandsveränderung, die durch Bewegung entsteht. Bewegung ist ein fundamentales Prinzip des Universums, dem ausnahmslos alle Objekte folgen - Planeten, Sterne, Galaxien, Quanten usw.

  • Bei jeder Zustandsveränderung nehmen Objekte eine neue Position im Raum ein. Das ist bereits eine Info.

  • An allen Veränderungsprozessen sind stets Quanten beteiligt. Diesen Vorgang kann man sich vorstellen wie winzig kleine Billiardkugeln, die sich gegenseitig anstoßen und dadurch ihre Position verändern.

  • Jede Zustandsveränderung erfordert Energie. Beispiel: um einen Stein in einen See zu werfen, benötigen wir eine bestimmte Kraft bzw. Energie, die über die Muskeln im Arm in Leistung umgesetzt wird. Diese Energie sorgt dafür, dass der Stein bis zum Auftreffen auf das Wasser durch die Luft fliegt.

  • In jeder Phase, die der Stein vom Anfang bis zum Ende seines Fluges durchläuft, kommt es zu unzähligen Zusammenstößen mit Molekülen und deren Atomen, die sich in der Luft befinden. also auf der Mikroebene Veränderungen bewirken.

  • Diese Stoßprozesse verändern das Energie-Niveau der in den Atomen befindlichen Elektronen. Dabei werden Photonen - die kleinsten Lichtteilchen - freigesetzt.

  • Photonen sind immer mit einer bestimmten Energie ausgestattet und besitzen eine eigene Schwingung, die sogenannte elektromagnetischen Strahlung (Quelle: Uni-Ulm.de).

  • Diese Schwingungen stehen immer - wie die Billiardkugeln - in Wechselwirkung mit der Umgebung bzw. mit den in "Reichweite" befindlichen Teilchen. Das gilt für Wasser ebenso wie für feste Körper oder Gase.

  • Alle Quanten - also die Bausteine des Universums - besitzen eine eigene Schwingung, die permanent mit anderen Quanten bzw. Atomen und Molekülen interagiert und damit Veränderungen auslöst (eine Form der Kommunikation). Jede Schwingung steht für einen energetischen Wert - das sogenannte Wirkungsquantum. Schwingung ist somit äquivalent zu Energie und Information.

  • Auch das Phänomen der Verschränkung (zwei weit voneinander entfernte Teilchen verhalten sich synchron) beweist, dass auf der Quantenebene Informationen ausgetauscht werden.

  • Information ist ein Werkzeug, das Informationen erschafft - durch Infos entstehen alle „Baupläne“ für das, was wir Materie nenne.


Warum sollte aufgrund dieser Theorie eine andere Realität entstehen bzw. sich das Weltbild verändern?
Es dürfte unstreitig sein, dass jede Erweiterung des Wissens (Veränderung!) auch den Horizont erweitert. Dadurch ergeben sich nicht nur neue Perspektiven, sondern es entstehen auch neue Denk- und Handlungsoptionen, die den Menschen ein neues Stück der Welt verfügbar machen.

Mein Erklärungsmodell beschreibt eine Beziehungsebene, die durch die Wechselwirkungen zwischen Organismen und Informationen entstehen.
>Zum Einen bin ich davon überzeugt, dass auch der Mensch, ebenso wie das Universum, aus nichts anderem besteht, als aus Information. Insofern halte ich es für mehr als wahrscheinlich, dass es auch in Bezug auf unsere Eigenschaften viele wichtige Übereinstimmungen mit den „Eigenschaften“ des Universums gibt und auch der Sinn des Menschen dem des Universums entspricht, d.h. dafür zu sorgen, dass immer mehr mehr neue Infos produziert werden.

>Zum Anderen besitzen Informationen besondere Eigenschaften, insbesondere ihre Unzerstörbarkeit, sodass sie zeitlich unbegrenzt exisitieren. Diese Aspekte führen zwangsläufig auch zu einer anderen Realität und zu einem neuen Verständnis in Bezug auf die Begrenztheit des menschlichen Lebens. Wenn es also „unsterbliche“ Informationen sind, die unser geistig-seelisches ICH ausmachen, dann ist unser psychisches ICH logischerweise auch unsterblich. D.h., dass diese ICHs mit all ihrem Wissen, ihren Erfahrungen, Erinnerungen und Eigenschaften würden nicht nur zeitlich unbegrenzt weiter existieren, sondern sich auch weiterentwickeln. Ich glaube, dass die meisten Menschen ein etwas anderes Leben führen würden, wenn ihnen dieser Zusammenhang und damit die Realität eines ewigen Seins bewusst wäre.

Eine weitere wichtige Frage: Was ist der Sinn von Infos?
1. Unstreitig ist, dass sich die Komplexität des Lebens seit Beginn des Universums exponentiell erhöht hat. Dies bedeutet, dass sich in dieser Zeit auch die Menge der Informationen exponentiell vermehrt hat.
2. Die Evolution kann deshalb auch als ein fortwährendes Anwachsen der Informationsmenge im Universum interpretiert werden. Insofern liegt der Gedanke nahe, dass dieser „Wachstumsprozess“ Teil eines kosmischen "Masterplans“ ist, der dem Ziel dient, die Weiterentwicklung des Lebens im gesamten Universum sicherzustellen und zwar auf allen Ebenen.

Zum Schluss noch eine Bemerkung zur Frage, gibt es einen Gott? Je nachdem, wie jeder Einzelne diese Frage für sich beantwortet, die sich daraus ergebende individuelle Einstellung beeinflusst auch die Realität.
Ich gehe auch davon aus, dass “Gott" weder allmächtig, noch allwissend, barmherzig oder vollkommen ist. Ich halte es viel mehr für wahrscheinlich, dass dem "Göttlichen" ein selbstlernender KOSMISCHER ALGORITHMUS zugrunde liegt. Dazu passt, dass die Evolution den Charakter eines kreativen, von "Neugier" getriebenen, geistigen Prozesses besitzt und der Faktor Information die wichtigste Grundsubstanz im Universum darstellt.

Der Mensch ist in Bezug auf den erwähnten "gottesähnlichen" Algorithmus mit einem Fraktal vergleichbar, besitzt also ein hohes Maß an Selbstähnlichkeit mit dem großen Ganzen. Diese Selbstähnlichkeit bezieht sich nicht nur auf unsere existentielle Abhängigkeit von Kommunikation und den dadurch entstehenden sozialen Beziehungen sondern vor allem auch auf unser Verhalten. Dieser Zusammenhang wird sehr schnell nachvollziehbar, wenn man sich bewusst macht, dass das ganze Leben eines Menschen primär darauf ausgerichtet ist, den persönlichen Informations-Speicher zu erweitern, insbesondere über neue Erfahrungen und neues Wissen.

Die Parallelen zu dem von Menschen gemachten Algorithmus sind unverkennbar - auch der KOSMISCHE ALGORITHMUS sammelt und speichert unvorstellbare Mengen an Informationen - und zwar in jedem Augenblick und das schon seit Beginn des Universums. Genau genommen, könnte man von einer göttlichen Macht der Informationen sprechen, die den KOSMISCHEN ALGORITHMUS überhaupt erst möglich machen.

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